Mit Cars of Hope #Wuppertal auf der Balkanroute

Seit 2 Jahre arbeite ich nun mit der Initiative Cars of Hope mit Geflüchteten auf der Balkanroute. Ich weiss noch gut, wie alles angefangen hat. Ein Freund aus Slowenien schrieb mir in 2015, dass eine Gruppe von Geflüchteten an der kroatisch/slowenischen Grenze feststeckte. Er fragte mich, ob ich vorbeikommen könnte, da er das Gefühl hätte, dass die Anwesenheit von Menschen aus dem Ausland die slowenische Polizei milder stimmen könnte. Ich überlegte kurz, organisierte einen PKW und fuhr am nächsten Morgen nach Slowenien.

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Die Situation, die ich dort vorfand war katastrophal. Menschen standen völlig durchnässt an der geschlossenen Grenze. In der Nacht starb ein kleines Kind, das nicht hätte sterben müssen. Auf der slowenische Seite der Grenze war ein Krankenhaus, aber die slowenische Behörden verweigerten dem kranken Kind die Einreise. Ich wusste davor schon, dass viele Tausende Menschen an den EU Außengrenzen ertrinken, aber diese persönliche Erfahrung hat mein Leben verändert und meine Sichtweise verschärft: Grenzen töten. 

Am nächsten Morgen wurde die Grenze kurzzeitig geöffnet und ich fuhr nach Ungarn, wo die Situation ebenfalls Katastrophal war. Die ungarische Polizei hatte angefangen, Geflüchtete zu verhaften. Diese irrten auf offenen Feldern herum, sie hatten keine Ahnung, wo sie sich genau befanden. Sie bekamen kaum Unterstützung und eine Gruppe von Helfer*Innen machten sich Abends auf den Weg nach Ungarn. Ich habe mich dann kurzfristig entschlossen, mich der Gruppe anzuschließen. Wir konnten in dieser Nacht viele Menschen vor der ungarischen Polizei retten.

Als ich zurück nach Deutschland kam, gründete ich zusammen mit einigen anderen Wuppertaler*Innen die Initiative Cars of Hope. Kurz darauf fuhren wir in einem Konvoi die Balkanroute entlang. Im Oktober 2015 unterstützen wir Geflüchtete in Kroatien, Österreich, Serbien und Slowenien. Solche Hilfestellungen waren von staatlicher Seite nicht immer gerne gesehen, vor allem in Slowenien waren Zuschauer eher unerwünscht. Als wir die Zustände und den Umgang mit den Geflüchteten gesehen haben, war uns auch schnell klar, warum Zuschauer nicht erwünscht waren (siehe Video unten).

Viele Geflüchteten erzählten uns über die enorme Polizeigewalt in Ländern wie Mazedonien, Serbien und Slowenien, aber auch im mittlerweile geschlossenen Flüchtlingslager in Opatovac in Kroatien. Helfer*Innen mussten dort sogar zu illegalen Mitteln greifen, um Geflüchtete zu unterstützen. Die UNHCR und die kroatischen Behörden sahen kurz vor der Schließung keinen Sinn mehr darin, Decken an Geflüchtete zu verteilen, obwohl massenhaft Decken vorhanden waren. Eine Gruppe von Helfer*Innen entwendete diese Decken dann, um sie danach an Geflüchtete zu verteilen. Die Geflüchteten hätten sons bei Minustemperaturen ohne Decke auf dem Boden in Zelten übernachten müssen. Manchmal sind Vorgehensweisen, die nicht erlaubt sind, dennoch legitim. 

In Serbien bauten wir mobile Ladestation auf, damit Geflüchteten ihre Handys aufladen konnten. Für viele Menschen war dies besonders wichtig, um den Kontakt zu Familien und Bekannten aufrecht zu erhalten. Oft wurdenTüre von Busse oder Züge ohne Ankündigung geschlossen und die anwesenden Polizisten ließen niemanden mehr hinein, sodass Freunde und Familienangehörige durch ein solches Eingreifen durch die Polizei nicht selten  voneinander getrennt wurden. Die Handys waren für diese Menschen sehr wichtig, damit sie sich wieder finden konnten. 

Vor, während und nach unserer ersten Balkantour hat die Presse oft und ausführlich berichtet. Dies war auch der Fall, als wir mehrmals nach Idomeni an der mazedonisch-griechischen Grenze (FYROM) fuhren, um dort Geflüchtete zu unterstützen. Es gab Live-Schaltungen mit Eins-Live und anderen Radio- und TV Sendern.

Seit der Räumung des Flüchtlingslagers in Idomeni, hat sich vieles geändert. Dadurch, dass Journalisten in den meisten staatlichen Camps der Zugang verweigert wird, ist das Thema mit dem Ausbau solcher Camps auch deutlich weniger präsent in den Medien. Die Situation der Geflüchteten hat sich in vielen Ländern auf der Balkanroute unterdessen allerdings dramatisch verschlechtert.

Seit das sogenannte EU-Türkei-Abkommen im März 2016 inkraftgetreten ist, werden auf den giechischen Inseln Geflüchtete in Camps wie Moria auf Lesvos inhaftiert. Neuankömmlinge schlafen in Moria erst einmal auf dem Boden, denn das Camp ist völlig überfüllt. Wenn Geflüchteten freigelassen werden, sind sie im Prinzip immer noch inhaftiert, denn sie dürfen die griechischen Inseln nicht verlassen. Viele warten schon seit anderthalb Jahren auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag. Es gibt nach wie vor einen nennenswerten Mangel an Nahrung, Hygiene-Artikeln und Medikamenten. Das größte Problem ist aber die völlige Verzweiflung, die sich mit der Zeit bei den Menschen breit macht. 

Auf dem griechischen Festland sieht die Situation nicht besser aus. Dort stecken seit dem Frühjahr 2016 Zehntausende Menschen fest weil die europäischen Grenzen für Geflüchtete geschlossen wurden. Von den griechischen Inseln, aber auch aus Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Ungarn gibt es immer wieder Berichte über massive Polizeigewalt gegen Menschen, die sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung befinden. 

In dieser Situation finden Menschen von Gruppen wie Cars of Hope dann Geflüchtete vor, wenn sie auf der Balkanroute aktiv sind. Durch die Unterstützung vieler Menschen, die die Arbeit der Gruppe mit Spenden unterstützen, war es Cars of Hope in den letzten zwei Jahren möglich, viele Lebensmittel, Hygiene-Artikel und andere Notwendigkeiten für das tägliche Überleben an Geflüchtete zu verteilen. Zusätzlich haben wir in Zusammenarbeit mit der Wuppertaler Initiative Willkommen in Cronenberg die Infrastruktur von Projekten wie Soul Food Kitchen in Thessaloniki deutlich verbessern können. Wir haben dort u.a. warmes Wasser und ein neues Stromnetz verlegt. Auch haben wir einen neuen Flur gelegt. Soul Food Kitchen kocht und verteilt täglich hunderte von warmen Mahlzeiten für Obdachlose, Geflüchtete und Griech*Innen. In Belgrad haben wir in Zusammenarbeit mit Soul Food Kitchen Brennöfen geschweißt, woran sich Geflüchtete im kalten Serbischen Winter wärmen konnten.

Auch nachdem es immer schwieriger wurde, Geflüchtete auf der Balkanroute zu unterstützen, haben wir unsere Arbeit fortgesetzt. So wurde Helfer*Innen von Cars of Hope in Serbien mit Verhaftung gedroht, weil sie Essen an Geflüchteten verteilt haben. Auch in Griechenland wurde Menschen mehrfach aus ähnlichen Gründen mit Verhaftung gedroht. Einige Helfer*Innen von anderen Gruppen wurden letztes Jahr in Polykastro sogar tatsächlich verhaftet. Mit der Beschlagnahmung von einem Rettungsschiff im Mittelmeer wird immer deutlicher, dass auch Helfer*Innen immer öfter und immer heftiger kriminalisiert werden. Aber wir werden unsere Arbeit fortsetzen und hoffen weiterhin auf eine rege Unterstützung unserer Arbeit auf der Balkanroute.

crowdfunding30aSeitdem das Thema in den Medien weniger präsent ist, sind die Spendeneinnahmen deutlich rückläufig. Am 14. September fahren wir erneut nach Griechenland, um dort Geflüchtete zu unterstützen. Von Mitte Dezember bis Mitte Januar werden wir sogar einen Monat lang in Griechenland verbringen, um auch in der Weihnachtszeit Geflüchtete zu unterstützen. Unsere Arbeit mit Geflüchteten auf der Balkanroute ist aber nur mit eurer Unterstützung möglich. 

Jeder Euro hilft, auch kleinste Beträge. Es würde auch schon helfen, wenn ihr diesen Link an eure Freunde, Familie, Arbeitskollegen und Kolleginnen oder Kommilitonen weiterleitet:

Crowdfunding:
Ihr könnt unsere Arbeit auch durch eine Überweisung auf unser Spendenkonto oder via Paypal unterstützen:
Paypal Konto: carsofhopewtal@gmx.de
Bankkonto:
Kontoinhaber: Sozialtal e.V.
Iban: DE80 3305 0000 0000 6968 49
Bic: WUPSDE33XXX
Verwendungszweck: Cars Of Hope
Durch die Unterstützung unserer Crowdfunding Kampagne oder eine Überweisung auf unser Spendenkonto wird unsere Arbeit nicht nur unterstützt, sondern überhaupt erst ermöglicht. Daher freuen wir uns über jeden noch so kleinen Betrag, der auf diesem Konto eingeht.
Alle Spenden werden über Sozialtal e.V abgerechnet. Spendenquittungen können ausgestellt werden. Wenn ihr eine Quittung braucht, schickt uns eine Mail an carsofhopewtal@gmx.de mit eurem vollständigen Namen und eurer Postadresse, damit wir euch eure Spendenquittung zuschicken können.

Am 03. September organisiert Cars of Hope Wuppertal eine Info-Veranstaltung zur Lage auf der Balkanroute. Mit einer Live-Schaltung nach Griechenland, Videos und Bilder. Zusätzlich werden Cars of Hope AktivistInnen über die Lage in Griechenland und Serbien aus erster Hand berichten. Die Veranstaltung ist teil der Welcome United Wuppertal Wochen.

03. September, 2017, ab 19:30 Uhr.
Wirtschaftswunder, Wiesenstraße 17, Wuppertal-Elberfeld

Facebook Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/466367573733727/

welcomeunitedwtal

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