Zurück auf dem Rad

20150603_183147So ein Radrennen kann inspirieren. In Deutschland werden viele das nicht begreifen: „Die sind doch alle gedopt!“ und „Das ist doch Betrug!“ Merkwürdigerweise sagen die gleichen Menschen das nicht über Fußball, obwohl nachweislich Fußballspiele geschoben wurden (Wettskandal) und ein renommierter Verein wie Juventus Turin in den neunziger Jahren nachweislich systematisch gedopt hat. Über die FIFA reden wir besser auch nicht. Es ist gut möglich, dass immer noch viele Profi-Rennfahrer gedopt sind, auch heute noch. Ich weiss es einfach nicht. Im Profisport geht es um viel Geld und ich betrachte das Ganze dann auch vor allem als Entertainment. Auch wenn ich die Leistung schon anerkenne. Sport ist für mich dass was du selbst machst, oder dir um die Ecke im kKeinen anschauen kannst (und selbst da können wir uns nicht mehr sicher sein). Aber darüber möchte ich hier an dieser Stelle gar nicht schreiben. 

20150531_145637Vor knapp 3 Jahren wurde das Radfahren für mich immer schwerer, ich war da vermutlich schon krank. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Mein Trainingspensum ging innerhalb von Monate von etwa 250 Kilometer pro Woche zurück auf Null. Meine Batterie wollte sich einfach nicht mehr aufladen. Erst letztes Jahr landete ich mit totalen Erschöpfungszuständen, die durch eine Schlafapnoe verursacht wurden, in einer Herzklinik. Das Herz war ok, der Körper aber platt. Es war ein langer Weg um zurück auf’s Rad zu kommen. Bei unseren Aufenthalten in Spanien fing ich mit meiner Frau (https://victoryviktoria.wordpress.com/) an viel spazieren zu gehen, oft stundenlang. Das machte mir Mut, dass es doch wieder was werden könnte mit mir und meinem Fahrrad. Obwohl ich vor knapp einem Jahr nach 100 Metern laufen erst mal eine Pause machen musste, lief ich jetzt wieder Strecken von etwa zehn Kilometern
Quäl dich du Sau.. ;-)
Quäl dich du Sau.. 😉

Zu Hause setzte ich mich ein paar mal auf den Hometrainer und auch das ging gut. Als dann die Giro d’Italia anfing und ich wieder Spaß an den taktischen Spielchen der teilnehmenden Mannschaften hatte und auch die Panoramas von den Bergetappen genießen konnte, bekam ich wieder Lust auf mein Fahrrad zu steigen. Schon während unserem Urlaub auf Teneriffa, wo wir nächstes Jahr hinziehen wollen, wurde mir klar, dass man dort in den Bergen wunderbar radfahren kann. Am letzten Giro-Tag war es dann soweit, am 31. Mai saß ich wieder auf dem Rennrad. Ich hatte es letztes Jahr schon mal probiert, lag aber sofort wieder tagelang im Bett: völlig platt. Es war wohl zu früh gewesen um wieder los zu legen. Am vergangenen Sonntag saß ich eine Stunde auf meinem Rad. Ich bin nur eine Stunde und mit einer ganz leichten Übersetzung gefahren, aber ich fühlte mich gut. Ich spürte meine Muskeln, keine Schmerzen, sondern ich spürte wie sie arbeiteten. 

20150531_150352Radfahren ist wichtig für mich, ich kann dabei gut abschalten und ich liebe es ab und zu „im schwarzen Loch zu fahren.“ Ich gehe dann über meine Grenze und fahre mich in Trance. Danach ist nicht nur mein Körper, sondern auch mein Kopf leer und vor allem letzteres tut mir immer sehr gut. Außer den vielen persönlichen Erfahrungen in meinem Privatleben, erinnere ich mich auch gut an die beiden Touren, die ich mit Jugendlichen nach Paris gemacht habe. Von Punkt Null aus, habe ich mit einigen Kolleginnen und Kollegen eine Gruppe von Jugendlichen aufgebaut und trainiert mit denen wir in Etappen nach Paris gefahren sind. Beide Male haben alle es geschafft und es war für alle Teilnehmer*Innen ein großartiges Erlebnis. Nicht nur das Schaffen vom großen Ziel Paris, aber auch das Zusammenwachsen von einer Gruppe, die einander gegenseitig unterstützt und anspornt, wenn es mal einen Tag nicht so rund läuft auf dem Rad, waren ein tolles Erlebnis. Nicht nur für die Jugendlichen. 
20150603_183224Als Chaoten erster Klasse hat mich das Radfahren gelehrt Ziele zu setzen und auch wie ich diese Ziele erreichen kann. Wenn ich im Sommer im Hochgebirge fahren wollte, musste ich auch im Winter trainieren. Auch wenn mir gerade nicht danach war: Es wurde im Winter Kraft-Ausdauer Training gemacht. Oft in Fitness-Studios, wo ich mich mehr als unwohl fühlte. Das Publikum dort war halt nicht meine Welt. Da ich aber unbedingt meine Ziele erreichen wollte, lernte ich, mich darüber hinweg zu setzen und konsequent meinen Weg zu verfolgen. Und mit den Erfolgserlebnissen stieg meine Motivation weiter zu machen. Meine Hartnäckigkeit, die nach über 30 Jahren politischer Arbeit noch existiert und das Wegstecken können von vielen Niederlagen im politischen Bereich hat viel mit den gesammelten Erfahrungen auf dem Rad zu tun. Wenn ich zu schnell in den roten Bereich kam, wenn es bergauf ging, gab ich nicht auf, sondern fing an an meinem Trainingsprogramm zu basteln. Ich versuchte es zu optimieren und nahm ein neuen Anlauf. Dies hab ich auf viele andere Lebenssituationen übertragen können. 
20150603_181736Auch mit meinen beiden Söhnen bin ich früher viel gefahren. Wir fuhren immer größere Runden, und manchmal gingen wir leicht über unsere Grenzen. Nach dem Motto: Mal gucken was alles noch so geht. Wir hatten viel Spaß, aber auch in dieser Konstellation waren wir vor allem ein Team, was sich gegenseitig helfen musste und das taten wir dann auch. Denn alleine voll gegen den Wind fahren ist deutlich anstrengender, als wenn man sich abwechselt. Auch das ist in anderen Lebenssituationen ähnlich. 
Wo andere Höhentraining machen, da wohne ich ab nächstes Jahr: Auf Teneriffa gibt es ohne Ende schöne Strecken und harte Bergstraßen, die ich befahren werde. Dafür trainiere ich jetzt schon. Neben Artikeln über Teneriffa und Politik werde ich regelmäßig über mein Training und meine Gedanken, die ich während des Radfahrens habe, berichten. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. 

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